Friedrich Bölck - die Geschichte einer Karriere
aus Bad Oldesloe
Friedrich Bölck
wurde 1887 in Lensahn geboren. Nachdem er eine
Verwaltungslehre in Eutin absolviert hatte, folgte
er seinen kaufmännischen Instinkten und wurde,
nach mehreren erfolglosen Anläufen, als Händler
zunächst mit dem Verkauf von Margarine, dann
Kaffee, Wurst und Milchprodukten so erfolgreich,
dass er in den Jahren nach der Inflation, etwa ab
1924, binnen kurzer Zeit bis zu 5000 Menschen
beschäftigte.
Sein
Erfolgsrezept war die regelmäßige Anlieferung der
Produkte durch seine Vertriebsmitarbeiter an die
Haustür. Hinzu kam die hervorragende Qualität der
Produkte, die er, sobald es wirtschaftlich möglich
war, in eigener Herstellung produzieren ließ, und
deren Qualität er genauestens überwachte.
Außerdem führte
er ein Sparmarkensystem ein, bei dem die Kunden
sich den Rabatt in bar auszahlen lassen konnten
oder wahlweise einen Gutschein für zwei
Erholungswochen ihrer Kinder im firmeneigenen Gut
Borstel erhielten. Dieses Angebot fand so starken
Zuspruch, dass Erholungsheime an der See dazu
gebucht werden mussten.
Die Margarine
wurde in Segeberg in eigener Fabrik
hergestellt. In Oldesloe, seit 1910 Bad Oldesloe,
wurden die Verwaltungshäuser, eine Kaffeerösterei
und eine Schlachterei errichtet. Binnen kurzem war
Friedrich Bölck der größte Steuerzahler von
Oldesloe.
Er war äußerst
spendabel, ließ Strassen pflastern, in seiner
Wohnstrasse eine Straßenbeleuchtung anlegen und am
Marktplatz den Gänselieselbrunnen errichten.
Vor allem aber
war er bekannt für seine großzügige Art gegenüber
den weniger
Betuchten. Er
hat wohl nie vergessen, dass er sich aus kleinsten
Verhältnissen hochkämpfen musste und dass nicht
nur harte Arbeit, sondern auch ein gehöriges
Stück Glück dazu gehört, erfolgreich zu sein.
Bekannt war er für seine großzügigen Geschenke,
etwa zu Weihnachten aber auch und gerade in Notfällen.
Friedrich Bölck
war aktiver Sozialist, Mitbegründer der
Radikaldemokratischen Partei, aktiv in der
Friedensbewegung und unterstützte die
Reichsbannerjugend, was ihm Anfeindungen und
eingeworfene Fenster durch die Nationalsozialisten
einbrachte.
Mit seiner Frau
Christina hatte er vier Kinder, drei Söhne und
eine Tochter, die in seinem Betrieb leitende
Funktionen übernahmen. Sein zweiter Sohn Fritz,
dem all das nicht so lag, entzog sich dem, indem
er sich zur Fremdenlegion nach Marseille meldete.
Nach einiger Zeit gelang es dem alten Bölck, ihn
dort freizukaufen. Fritz allerdings, der in der
Nazizeit zurückkam, hielt es nicht lange aus und
ging ein zweite Mal zur Legion.
Anläßlich der
Hochzeit seines Sohnes Walther im Jahre 1927 bot
Friedrich Bölck seinen Angestellten an, ihnen
ebenfalls die Hochzeit auszurichten, wenn sie am
selben Tag heirateten. Elf weitere Paare nahmen
das Angebot an, und so wurden im Kurhaus in Bad
Oldesloe 12 Hochzeitstafeln ausgerichtet. Es ging
als die Massenhochzeit in die Oldesloer Geschichte
ein.
Seiner Tochter
Mimi und ihrem Ehemann, dem Reiter Walter
Heitmann, richtete er zur Hochzeit das Gut Lasbek
ein.
Während der
Zeit seines wirtschaftlichen Erfolges kaufte
Friedrich Bölck mehrere Güter. Das erste war das
Gut Basthorst. Später kam das Gut Wulmenau hinzu,
das er seinem Sohn Walther zur Hochzeit schenkte.
Nach dem Verkauf von Gut Basthorst erwarb er 1928
das Gut Trenthorst. Im „Herrenhaus“ sind heute
noch hübsche Glasfenster aus seiner Zeit zu sehen,
die Bilder der Margarineproduktion zeigen. In
Trenthorst befand sich die Viehzucht, die die
Grundlage seiner Milchproduktion darstellt. Später
kaufte er vom Kaufmann Lahusen das Schloss Grabau,
in welchem er mehrere Jahre wohnte. Gut Borstel
kaufte er Anfang der 30er Jahre, um es, wie
erwähnt, als Erholungsheim einzurichten.
Es gibt
verschiedene Versionen über den Niedergang des
Bölck`schen Imperiums. Möglich ist, dass die neuen
Machthaber ihm durch ihre Verbote von
Haustürgeschäften und
Lebensmittelkontigentierungen die Grundlagen
seiner Erfolge entzogen. Er musste Borstel und
auch 1939 Grabau an die Regierung verkaufen, die
daraus ein Heerespferdegestüt machten. Borstel
wurde ein SA-Heim.
Seine
Margarineproduktion musste er an die
Schleswig-Holsteinische-Margarine-Union verkaufen,
die später im Unilever-Konzern aufging.
Seinen Traum, in
Bad Oldesloe das Kurhaus wieder neu erstehen zu
lassen, wurde ihm durch politische Widerstände
verwehrt.
Friedrich Bölck
zog sich auf sein Gut in der Nähe von Bad
Schwartau zurück, wo er sich der Pferdezucht und
seinen Hobbies, vor allem der Jagd, widmete. Auf
der Rückfahrt von einer Angelpartie, bei der er
selber chauffieren musste, da sein Fahrer
einzogen war, verunglückte er 1940 nahe Plön.
Bis in die 30er
Jahre gab es in Bad Oldesloe eine Bölck-Straße,
die heutige Grabauer Straße. Jetzt
gibt ein etwa 100 m langes Sträßchen namens Friedrich-Bölck-Straße, nicht weit von der Grabauer
Straße entfernt.
Nach dem Krieg
versuchte der Sohn Walther Bölck noch
einmal, die Erfolge des Vaters zu wiederholen, so
dass es bis in die späten 50er Jahre immer noch
die rot-weiss-blauen Packungen mit dem
goldumrandeten Bölck-Aufdruck zu kaufen gab.
Das bewegte
Leben des Friedrich Bölck wird nun zu guter Letzt
auch ein Theaterstück :
Bad-Oldesloe-macht-Theater bringt im Jahr 2011 das
Open-Air-Stück
„Marke Bölck“
auf die Bühne.